Sam Jost
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Scharfe Fotos mit der Digitalkamera

Muss man wirklich fünf Lichtquellen für ein Portrait benutzen?

Nein, natürlich nicht. Aber bei einer so komplexen Ausleuchtung kann man viel über Lichtsetzung beim entfesselten Blitzen lernen, vor allem lernt man die unterschiedlichen Lichter zu sehen, die Wirkung im Bild zu unterscheiden. Um sich dann in der Praxis auf vielleicht zwei oder drei davon zu reduzieren, die man kennen und lieben gelernt hat.

In diesem Sinne biete ich in Zusammenarbeit mit Stefan Bäsmann in Hamburg am 18. August 2012 erneut einen Workshop Klassisches Portrait in fünf Lichtquellen an, für Fotografen, die entfesseltes Blitzen mal so richtig praxisnah mit all seinen Möglichkeiten und Fallstricken kennenlernen wollen.

Wer mich kennt, weiß, dass das kein Vortrag wird, kein vorgekautes Lichtsetting, sondern eine lebendige Zusammenarbeit und Diskussion, in deren Verlauf wir uns durch ein komplexes Lichtsetting arbeiten, woraus dann anschließend jeder Teilnehmer sein Lichtsetup ableiten und mit gebuchtem Model umsetzen wird.

Also nichts für Leute, die sich gerne zurücklehnen und zuschauen.

Verschiedenfarbige Hintergründe

Veröffentlicht am Mo, 11. Jun 2012, 07:13 von Sam

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Buntes Model vor buntem Hintergrund(Diskussion)
R. Ramer schrieb am Do, 14. Jun 2012, 11:26

Leider kann ich am Workshop nicht teilnehmen. Das Bild zum Artikel finde ich aber auch schon sehr anregend. Es passt sehr gut zum Artikel und hat sofort meine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Spontan sind mir folgende Gedanken duch den Kopf geschossen:

Ich habe mich nun gefragt, was mir gefällt und was nicht, was ich auch so machen würde und was nicht - und wieso.

Aus der Bildgruppe ziehe ich für mich folgende Erkenntnisse:

Was hälst Du von meinen Erkenntnissen?


Sam schrieb dazu am Fr, 15. Jun 2012, 22:28

Stimmt, die Fotos sind nicht identisch. Irgendwann wiederhole ich das nochmal mit exakt gleicher Mimik und Lichtsetzung, für volle Vergleichbarkeit.

Ich stimme Dir fast durchgehend zu:

Einzig glaube ich, dass Caravaggio das Auge nicht ganz so in Schwarz absaufen wie ich hier, sie liegen zwar klar im Schatten, aber es ist Zeichnung vorhanden.

Durch die Farbe gefällt mir das auf Rot auch am besten, obwohl es von Kopfhaltung, Ausdruck und Licht in den Augen das schwächste ist.

Wäre das Grün besser, wenn es dunkler gewesen wäre? Der Hintergrund ist eine weiße Wand, mit einem Blitz mit Farbfolie drauf angeblitzt. Also ziemlich wenig Aufwand, dafür ein kräftiger Farbeffekt.

Und die Farbe stiehlt die Show, eindeutig. Als Dreierpack witzig, eins alleine wär nicht schön. Dezente Farben sind für Portraits sicher die bessere Wahl.

Farben sind spannend! Ich hab echt Lust, Farbvergleiche für Portraits durchzuführen, auch für Hauptlicht, Aufhelllicht, Spitzlicht. Leichte Farbtupfer bringen völlig neues Leben in ein Studiofoto.

Ich finde es total spannend, was Du in dem Foto siehst, Deine Analyse dazu! Macht Lust darauf, sich mal einen Monat in ein Fotostudio einzuschließen und zu experimentieren!


R. Ramer schrieb dazu am Mo, 18. Jun 2012, 13:11

Ob ein dunkleres Grün besser wäre, wollte ich mit etwas Bildbearbeitung kurz prüfen. Dabei führte das eine zum anderen und am Schluss stand ich vor vielen offenen Fragen.

Helligkeit

Wie hell darf oder soll der Hintergrund sein? Wieweit ist dies auch vom Charakter des Führungslichtes abhängig? Welchen Einfluss hat die Haarfarbe? Welche Möglichkeiten gibt es noch, um das Motiv vom Hintergrund zu trennen?

Lichtrichtung und Helligkeitsverlauf

Welchen Einfluss hat die Lichtrichtung? Muss sie derjenigen des Führungslichtes entsprechen? Darf sie genau entgegengesetzt sein und was bewirkt das? Wie verhalten sich Schatten auf dem Motiv zur Helligkeit des Hintergrundes und wie ist die Wirkung?

Lichtfarbe

Was kann ich mit Farben bewirken? Wie muss der Farbton des Hintergrundes zum Farbton des Motivs sein und was für Möglichkeiten gibt es? Welche Rolle spielt die Sättigung?

Textur

Was bewirken texturierte Hintergründe? Wozu könnte ich sie einsetzten, wobei helfen sie mir?


R. Ramer schrieb dazu am Mo, 25. Jun 2012, 16:19

Hier noch meine Antwort zur Frage "Wäre das Grün besser, wenn es dunkler gewesen wäre?": für das ursprüngliche Bild als Triptychon ja, für das Einzelbild nein.

Ein entsprechendes Grün beim Einzelbild gibt einen schönen Komplemetärkontrast zur Farbe der Keidung. Soweit wäre ein Grünton also keine schlechte Wahl. Auch die Lichtcharakeristik ist geprägt vom harten Kontrast. Dazu würde ein Komplementärkontrast gut passen. Aber das Model! Es lächelt! Da ist nichts in der Mimik, das von Kontrasten oder Gegensätzen erzählen würde. Nein, das Model lächelt zufrieden und entspannt. Es blickt direkt und offenherzig den Betrachter an. Selbst die Kleidung hat nichts dramatisches an sich. Grün und hartes Licht tun diesem Bild nicht gut.

Wenn das Bild ein Bild über das Model ist, dann müssen alle Teile des Bildes das ausdrücken, was das Model ausdrückt. Tun sie das nicht und macht jedes Teil sein eigenes Ding, dann zerfällt das Bild in zusammenhanglose Einzelteile und es ist nicht mehr verständlich.

Beim Triptychon ist die Farbe das Motiv. Ein dunkleres Grün passt sich durch seinen zu den anderen beiden Farbetönen ählichen Helligkeitswert viel besser ein, was die drei Bildteile entsprechend besser zu einer Ganzheit machten würde.


Sam schrieb dazu am Mi, 27. Jun 2012, 08:18

Ich finds beeindruckend, wie viel der Hintergrund ausmacht.
So sieht das Bild mit weißem Hintergrund ziemlich verkehrt aus (was auch Sinn macht, es fehlen ja die Reflexionen des Hintergrunds im Gesicht). Selbst das Grau sieht schon leicht seltsam aus.
Dafür steche ich vor Weiß extrem hervor, trete in den Vordergrund, während ich bei Schwarz weiter hinten im Bild ruhend wirke.
Dagegen sehen die Verläufe glaubwürdiger aus. Hier wird auch deutlich, dass ich mehr hervorstehe, je heller der Bereich hinter meinen Schultern ist.
Bei den dunklen Farben finde ich cool, dass die Farben selber kaum noch als Farbe auffallen, aber trotzdem die Farbwirkung des Gesichts subtil beeinflussen, durch den Kontrast. Das dunkle Rot ergibt noch mit das gefälligste Gesamtbild, Blau und Grün stechen schon etwas seltsam vor, stimmt.
Und mit der groben Textur wirkt es wie ein Wohnzimmerfoto. Die anderen Texturen sind für diesen Effekt zu schwach. Bzw. das Gesamtbild müsste größer, damit die Textur zum Tragen kommt.

Und Deiner Analyse bezüglich des Grüns stimme ich zu. Wir Fotografen haben nur das Bild, um etwas rüberzubringen. Kein Ton, keine Bewegung. Und das klappt besser, je eindeutiger das Bild ist. Man könnte sagen, wir müssen mit dem Holzhammer gestalten, damit das Foto alleine den Inhalt wie gewünscht rüberbringt. Und da beißt sich, wie Du schreibst, das Lächeln mit den restlichen Gestaltungsmerkmalen.

Ein Bild wirkt einfach am besten, wenn Inhalt, Haltung, Farben, Licht, alles in die gleiche Richtung arbeitet.

Und irgendwann schreibe ich auch dazu ein Buch - vorher arbeite ich aber erstmal meine Grundlagenbücher ab, um darauf aufzubauen.


R. Ramer schrieb dazu am Di, 03. Jul 2012, 11:29

 

Auf den Grundlagen aufbauen zu können, ist eine gute Sache. Wer sein Werkzeug nicht beherrscht, kann es auch nicht optimal einsetzten. Ist die Grundlage eines guten Bildes das Werkzeug und dessen Beherrschung oder fehlt da noch etwas?

Du hast einmal geschrieben:

„Sind die technischen Aspekte der Fotografie wichtig, um etwas mit Deinem Werkzeug, der Kamera, so umzusetzen, wie Du es Dir vorstellst, so ist die Gestaltung wichtig, um Dich überhaupt erst für eine brauchbare Vorstellung zu Entscheiden.„ (Lerne zu gestalten)

Gestalterisches Können und Beherrschung des Handwerks bilden zusammen die Grundlage, auf derer gute Bilder entstehen können. Kann ich nur gestalten, komme ich nie zum fertigen Werk. Kann ich nur Werkzeuge bedienen, weiss ich noch lange nicht, was ich mit ihnen anfangen soll. Für mich steht am Anfang eines Bildes die Gestaltung. Verschlusszeit kommt viel später.

Da ich zum Glück das Handwerkliche schon ordentlich beherrsche, bin ich gespannt auf Deine Bücher, die nach Deinen Grundlagenbüchern kommen.


R. Ramer schrieb dazu am Di, 03. Jul 2012, 13:57

Weil's gerade so schön zu Thema "Grundlagen" passt:

"http://www.fotointern.ch/archiv/2012/06/29/wer-hat-das-bessere-auge-experiment-mit-blickregistrierung-beim-fotografieren/".

Gleiches Werkzeug, aber formal und inhaltlich ganz andere Bilder, weil:

Nicht die Kamera oder deren Beherrschung haben hier den Unterschied zwischen den Bildern des Amateurs und denen des Profi ausgemacht, sondern das, was vor dem Einsatz der Kamera kommt.


Sam schrieb dazu am Di, 03. Jul 2012, 15:24

Als ich das erste Mal die Idee zu solchen Themenbüchern hatte, hatte ich überlegt zwei Reihen draus zu machen: eine für die technischen Grundlagen und eine für die gestalterischen Grundlagen.

Ganz so streng strukturiert wird es jetzt wohl nicht werden, aber die Bücher über Gestaltung sollen auch noch kommen. Ich weiß noch nicht, wie ich sie aufbauen werde, denn das wird sicher schwieriger, als bei den Büchern über technische Zusammenhänge.

Für mich ist es auf jeden Fall hilfreich, erstmal mit den Büchern über technisches zu üben, um anschließend in die Gestaltung überzugehen, die, vermute ich jedenfalls, schwieriger zu beschreiben wird. Bücher schreiben ist ja irgendwie auch Übungssache.

Gestaltung trennt wohl bei der Fotografie auch die Spreu vom Weizen. Der Beitrag auf fotointern dazu ist spannend, vor allem, wo doch im Amateurbereich gerne zitiert wird, das man nur das Foto zum richtigen Moment machen muss (Bresson, "Decisive Moment"), und die daher glauben, dass jeder Profi so wenig Fotos wie möglich macht - ich werde jedenfalls oft verwundert angeschaut, wieso ich von einem 20-Minütigen Shooting mit mehreren Hundert Fotos zurückkomme, denn dann "hätte ich ja auch gleich Video filmen können".


R. Ramer schrieb dazu am Mi, 04. Jul 2012, 09:32

 

Was man in der Fotografie alles an Technik um sich hat, ist gerade bei der digitalen Fotografie schon erstaunlich. Über das Wichtigste Bescheid zu wissen, ist unerlässlich und ist für mich auch ein natürlicher Teil der Fotografie.

Der andere Teil ist wie Du sagst die Gestaltung. Und da scheint es schwierig zu werden oder so einfach, dass nur noch eine losgelöste Regel wie die Drittel-Regel übrig bleibt.

Für die Bildgestaltung muss ich einerseits die mir zur Verfügung stehenden Gestaltungsmittel kennen und andererseits wissen, wozu und wie ich sie einsetzten kann. Die Gestaltungsmittel aufzulisten und aufzuzeigen, was man damit anstellen kann, ist nicht so schwierig. Das reicht aber noch nicht, um mit ihnen formal gelungene Bilder zu erschaffen. Es fehlt noch das Wissen über oder das Gespür für das Ausgewogene und Ausdrucksstarke sowie eine gehörige Portion Kreativität.

Aber muss der ambitionierten Hobbyfotografen wirklich so weit in die Bildgestaltung gehen? Muss er wirklich in der Lage sein, einen Hasselblad Award gewinnen zu können? Er macht doch primär Bilder für sich und seine Familie. Wie viel Technik und Bildgestaltung braucht der typische Amateurfotograf wirklich?

Heilpraktiker in Flensburg
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